Startseite
    Auf eine Zigarette mit ...
  Über...
  Archiv
  Gästebuch
  Kontakt
 


 

Webnews



http://myblog.de/dieletzteadresse

Gratis bloggen bei
myblog.de





 
Wer wir sind (und was wir wollen)

Wer wir sind, ist im Grunde genommen keine allzu schwierig zu beantwortende Frage. Wir sind diejenigen mit den Ideen. Die guten Ideen, die uns voranbrächten. Die Visionen, die die Leiter aus dem Brunnen hinaus wären, in den wir gestoßen wurden von Leuten, die achtlos vorbeigingen und sich nichts daraus machten, daß es uns überhaupt gibt. Wir sind die traurigen Menschen, die in der Straßenbahn Bücher lesen und auf Schuhe starren, nachts zur Musik in unseren Köpfen tanzen und tagsüber schweren Fußes den Leichtsinn jagen. Aus Rücksicht auf die Nerven unserer Mitmenschen gehen wir schonungsvoll mit ihnen um und denken schonungslos über sie, denn geschont wird niemand, wenn es uns schon schlecht gehen muß.
Wir sind die jungen Menschen, denen es an allem fehlt, was die Stufen auf der Wendeltreppe hin zum Glück haltbar macht. Als die Landkarte der Lebensfreude abgesteckt wurde, schliefen wir, tranken gerade unser letztes Bier, rauchten die letzte Zigarette nach einer viel zu langen, überflüssig langen Nacht oder räkelten uns noch lasziv in unseren Betten, voller Vorfreude auf das doch niemals einsetzende Klopfen an der Zimmertür, das sanfte Geräusch, das Rettung verheißen könnte. (Die Wahrheit ist, daß niemand klopft oder anruft, wenn er gute An- und Absichten hat.) Vielleicht wollten wir einfach nicht aufstehen oder diejenigen, die uns noch Platz auf dieser Karte ließen, drängten unsere kleinen Kolonien ins Abseits. Wo wir uns niederlassen wollten, wuchsen keine Palmen, es spielten keine Elephanten in den Oasen, man konnte dort nicht auf Giraffen reiten oder die einheimischen Mädchen überreden, ihr restliches Leben mit uns zu teilen für die gegenseitige Bereicherung. Es ist nichts als Wüste dort, man überläßt uns Sand und Staub, die entlegensten Orte, und dort setzen die Forderungen ein.
Sand und Staub, Dreck und die Wüste, Beton und leergefegte Wiesen, all dies kann uns Heimat sein. Heimat ist der Fleck, an den man zurückkehrt, wenn die Schmerzen, die die Welt uns zufügt. der Pöbel, die grauen Massen des Volkes, die flackernden Lichter der Discotheken abseits der Schmerzgrenze, die verschwitzten Körper und der Haß, den sie auf sich ziehen, unseren Geist in die letzten Ecken zwingen. Wenn der Platz, an dem sich unser Herz befindet, langsam, einem Chamäleon gleich, die matte Farbe und Konsistenz der Außenwelt, die wir zu verlassen wünschen, annimmt, bis sich kein Unterschied mehr ausmachen läßt, der wesentlich genug wäre, um mit bloßem Auge erkannt zu werden. Das Wesentliche jedoch ist uns nicht wichtig, wir verlieben uns in Kleinigkeiten, Kleinigkeiten gar, die man auch in Sand und Staub fände, wenn man Hilfe hätte bei der Suche. Und dies ist, was wir uns wünschen, die sehnlichsten Wünsche, so simpel, daß man darüber stolpert, wenn man durch unsere Wohnungen streift und so ersichtlich, daß man fast erblindet, wenn man seinen Blick mit unserem kreuzt.
Wir sind einsam.
Wir suchen Menschen, die bei der Suche behilflich sind, Menschen, die die Kleingikeiten sammeln, die wir lieben und schätzen. Menschen, die selbst wir lieben und schätzen. Menschen, die uns Perlen bringen statt Glasmurmeln. Menschen, die sind wie wir. Es gibt nicht viele davon, alle haben die gleichen Wünsche, Ziele und selbst unsere Visionen decken sich. Wir möchten keine Steine werfen, die Ordnung gefällt uns, denn das Chaos sind wir selbst. Vielleicht wollen wir den Staat stürzen, vielleicht stützen wir ihn. Vielleicht wäre es besser, man würde lieber uns stützen, denn unsere Stürze sind weitaus schmerzhafter als der Skateboardunfall deines besten Freundes oder der Zungenkuß mit der Tischkante an deinem achten Geburtstag.
Ja, es gibt uns, wir sind zahlreich, allerorten sieht man (oder eben nicht, was macht das schon?), wie wir subtil leiden. Es ist nicht so, als seien wir gepeinigt vom Schicksal. Unsere Arme und Beine sitzen am rechten Fleck, unsere Augen sitzen in unseren Köpfen und auch auf diesen unseren wachsen Haare. Wir haben bloß unser Recht auf ein glückliches Leben. Diese Welt schuldet uns einen gewaltigen Gefallen, so viele Wüsten sie uns auch als Wohnstätte aufdrängt. Eine Wüste für uns alle, in der wir singen, tanzen und Luftsprünge vollführen können. Die Palmen brächten wir schon selbst zum Wachsen, das hat die Geschichte gezeigt und das ist es, was unsere Kenntnis von der Welt uns nicht nur verspricht, sondern wissen läßt, mit einer Sicherheit, die die Farben aller T-Shirts im Landesinneren unseren Augen angleicht und die Regentropfen zu Seifenblasen werden lassen könnte. Sicherer noch als unser aller Tod.
Wir wünschen uns ein Leben, ein gerechtes Leben, ein Leben voller Abenteuer mit Zuckerguß und Schokoladenfüllung. Hand in Hand mit denjenigen, deren tiefste Empfindungen wir teilen und deren Abwesenheit der Grund ist für unser tiefes Unglück. Wir bräuchten uns, wir haben den Stoff, der aus den Träumen gesponnen wird, der Stoff, der die Zukunft in greifbare Nähe rücken und sie zum Spielplatz für unsere Kräfte werden läßt.
Ja, wir sind das Zentrum des Universums, wenn es ausnahmsweise davon absähe, sich an uns vorbeizudrehen. Befremdlich, wie sehr wir doch drohen, der Welt fremd zu werden, wo sie es doch ist, die es uns zu verdanken hat, daß sie sich weiterhin dreht und nicht stehengeblieben ist, als sie selbst die Hoffnung aufgab, die uns bleibt.

 

 

 

Dienstbote, nimm deine Gießkanne, ich wünsche mir Blumen.

30.9.07 02:15
 


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung