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Auf den Zahn gefühlt.

Meine Errungenschaften des nahezu vergangenen Jahres sind am ehesten vergleichbar mit dem Zahnarzttermin, der angesetzt war für den Januar. Ich schob ihn bedenkenlos Monat um Monat auf, bis ich ihn gänzlich vergessen hatte. Exakt auf dieselbe Art verhalte ich mich meinem Leben und den bedeutenden Entscheidungen gegenüber. Verzögern, ignorieren, ich bleibe schließlich ewig jung und morgen in 52 Wochen ist auch noch ein Tag. So ist es kein Wunder, daß nichts geschah und ich keine großartigen Erinnerungen habe, die dieses Jahr bedeutsamer machen als die Jahre davor - oder überhaupt bedeutsam.

Zwischen Januar und Jetzt klafft eine gewaltige Lücke, und es wunderte mich nicht im Geringsten, wenn diese Lücke sich auch noch in meinen Zähnen manifestierte.

16.12.07 19:28


Ich habe von Bertolt Brecht geträumt. Ich begegnete ihm in einer Kneipe, wie sie typisch ist für ländliche Regionen. Duster, alt, den Regen vor der Tür auf 100 Jahre gebucht. Brechts Gesichtszüge waren weich, seine Kleidung von Tchibo, sein Grinsen täuschte nicht darüber hinweg, wie lächerlich sein Wanderrucksack die Gesamterscheinung wirken ließ. Er stand nur kurz in der Tür, ich hingegen unterhielt mich mit seiner Tochter. Am Ende war ich enttäuscht. Eine Unterhaltung mit Familie Brecht, die Tochter langweilig, der Vater spießig. Über die Gründe für die Wanderschaft erfuhr ich nichts, auch der Ort des Traumes ist mir nicht bekannt. Dieselbe Situation in der Realität hätte mir Freude bereitet, der Traum hingegen: Zeitverschwendung im Schlaf.

 

(Schade auch, daß man im Traum so selten den Mut aufbringt, mit den Begegnungen über Wichtiges zu sprechen. Auch das Wissen über die paar Bücher, die den eigenen Charakter so niederschmetternd umreißen, ließ ich in der Wirklichkeit zurück - eine Unsitte, die mir schon so manche Zusammenkunft im Traum vermiest hat.)


Was ich mit Brecht besprach, weiß ich nicht mehr. Wahrscheinlich ging es um das Wetter, für alles andere war ich zu verdutzt.

26.11.07 17:50


Zärtlich streichle ich die Steckdose. Würde sie wenigstens schnurren!

Was uns allen der Tod ist, nennt sich Stillstand. Wenn die Maschinen nicht mehr arbeiten, sind wir vielleicht glücklich, unsere rebellische Ader pocht sanfter als zuvor, doch wenn wir selbst die Maschine sind und uns anhalten, ist das gleichfalls ein Schnitt in diese Ader, deren Pochen uns nicht voranzubringen vermochte. Was nützt der Regen? Ich bin keine Blume. Was nützt der Wind? Ich bin kein Schiff und sollte es doch so sein, dann unlängst gestrandet in der Tristesse, die man mir serviert. Wer auch immer es war, der mir dabei den guten Appetit wünschte, er ist widerlich und zynisch und wenn man ihm den Kopf einschlägt und ihn ebenfalls zerschellen läßt an den Klippen, so hat er es verdient, so soll er wissen, wie es ist und wie es sich anfühlt.

Andere Ufer, neue Strände, frischen Sand und die Abkehr vom Stillstand wünsche ich mir. Einen Mantel, den ich tragen und Socken, auf die ich mich machen kann. Denn nicht die Welt ist es, der ich nicht passe, die Welt ist viel mehr schuldig und sollte sich bekennen, verfehlt zu sein und ihre schönen Ecken verborgen zu halten oder dort anzusiedeln, wo nicht die wenigen Wände sind, die mich von Regen und Wind trennen. Was glücklich macht, ist nicht die Enge, nicht das bißchen Papier, die Tintenkleckse darauf, der Kampf mit den Träumen und die Decken, in die man sein eigenes Unglück wickelt. Weil das traute Heim nicht diese Enge ist, weil vertraut nur die wenigen Fetzen sind, die man in die Koffer packt, weil man nur den Maschinen vertraut, die sich und mich bewegen und weil man letztendlich nur sich selbst traut, wenn die Füße beweisen, daß sie in der Lage sind, ihren Besitzer weiter zu tragen als ans Fenster, wo die Augen zeigen, daß der Blick allein nicht ausreicht, um in die Ferne zu schweifen.


Bediensteter, pack meine Koffer, ich möchte die Welt auf ihren Umdrehungen begleiten.

 

17.10.07 22:31


Wer wir sind (und was wir wollen)

Wer wir sind, ist im Grunde genommen keine allzu schwierig zu beantwortende Frage. Wir sind diejenigen mit den Ideen. Die guten Ideen, die uns voranbrächten. Die Visionen, die die Leiter aus dem Brunnen hinaus wären, in den wir gestoßen wurden von Leuten, die achtlos vorbeigingen und sich nichts daraus machten, daß es uns überhaupt gibt. Wir sind die traurigen Menschen, die in der Straßenbahn Bücher lesen und auf Schuhe starren, nachts zur Musik in unseren Köpfen tanzen und tagsüber schweren Fußes den Leichtsinn jagen. Aus Rücksicht auf die Nerven unserer Mitmenschen gehen wir schonungsvoll mit ihnen um und denken schonungslos über sie, denn geschont wird niemand, wenn es uns schon schlecht gehen muß.
Wir sind die jungen Menschen, denen es an allem fehlt, was die Stufen auf der Wendeltreppe hin zum Glück haltbar macht. Als die Landkarte der Lebensfreude abgesteckt wurde, schliefen wir, tranken gerade unser letztes Bier, rauchten die letzte Zigarette nach einer viel zu langen, überflüssig langen Nacht oder räkelten uns noch lasziv in unseren Betten, voller Vorfreude auf das doch niemals einsetzende Klopfen an der Zimmertür, das sanfte Geräusch, das Rettung verheißen könnte. (Die Wahrheit ist, daß niemand klopft oder anruft, wenn er gute An- und Absichten hat.) Vielleicht wollten wir einfach nicht aufstehen oder diejenigen, die uns noch Platz auf dieser Karte ließen, drängten unsere kleinen Kolonien ins Abseits. Wo wir uns niederlassen wollten, wuchsen keine Palmen, es spielten keine Elephanten in den Oasen, man konnte dort nicht auf Giraffen reiten oder die einheimischen Mädchen überreden, ihr restliches Leben mit uns zu teilen für die gegenseitige Bereicherung. Es ist nichts als Wüste dort, man überläßt uns Sand und Staub, die entlegensten Orte, und dort setzen die Forderungen ein.
Sand und Staub, Dreck und die Wüste, Beton und leergefegte Wiesen, all dies kann uns Heimat sein. Heimat ist der Fleck, an den man zurückkehrt, wenn die Schmerzen, die die Welt uns zufügt. der Pöbel, die grauen Massen des Volkes, die flackernden Lichter der Discotheken abseits der Schmerzgrenze, die verschwitzten Körper und der Haß, den sie auf sich ziehen, unseren Geist in die letzten Ecken zwingen. Wenn der Platz, an dem sich unser Herz befindet, langsam, einem Chamäleon gleich, die matte Farbe und Konsistenz der Außenwelt, die wir zu verlassen wünschen, annimmt, bis sich kein Unterschied mehr ausmachen läßt, der wesentlich genug wäre, um mit bloßem Auge erkannt zu werden. Das Wesentliche jedoch ist uns nicht wichtig, wir verlieben uns in Kleinigkeiten, Kleinigkeiten gar, die man auch in Sand und Staub fände, wenn man Hilfe hätte bei der Suche. Und dies ist, was wir uns wünschen, die sehnlichsten Wünsche, so simpel, daß man darüber stolpert, wenn man durch unsere Wohnungen streift und so ersichtlich, daß man fast erblindet, wenn man seinen Blick mit unserem kreuzt.
Wir sind einsam.
Wir suchen Menschen, die bei der Suche behilflich sind, Menschen, die die Kleingikeiten sammeln, die wir lieben und schätzen. Menschen, die selbst wir lieben und schätzen. Menschen, die uns Perlen bringen statt Glasmurmeln. Menschen, die sind wie wir. Es gibt nicht viele davon, alle haben die gleichen Wünsche, Ziele und selbst unsere Visionen decken sich. Wir möchten keine Steine werfen, die Ordnung gefällt uns, denn das Chaos sind wir selbst. Vielleicht wollen wir den Staat stürzen, vielleicht stützen wir ihn. Vielleicht wäre es besser, man würde lieber uns stützen, denn unsere Stürze sind weitaus schmerzhafter als der Skateboardunfall deines besten Freundes oder der Zungenkuß mit der Tischkante an deinem achten Geburtstag.
Ja, es gibt uns, wir sind zahlreich, allerorten sieht man (oder eben nicht, was macht das schon?), wie wir subtil leiden. Es ist nicht so, als seien wir gepeinigt vom Schicksal. Unsere Arme und Beine sitzen am rechten Fleck, unsere Augen sitzen in unseren Köpfen und auch auf diesen unseren wachsen Haare. Wir haben bloß unser Recht auf ein glückliches Leben. Diese Welt schuldet uns einen gewaltigen Gefallen, so viele Wüsten sie uns auch als Wohnstätte aufdrängt. Eine Wüste für uns alle, in der wir singen, tanzen und Luftsprünge vollführen können. Die Palmen brächten wir schon selbst zum Wachsen, das hat die Geschichte gezeigt und das ist es, was unsere Kenntnis von der Welt uns nicht nur verspricht, sondern wissen läßt, mit einer Sicherheit, die die Farben aller T-Shirts im Landesinneren unseren Augen angleicht und die Regentropfen zu Seifenblasen werden lassen könnte. Sicherer noch als unser aller Tod.
Wir wünschen uns ein Leben, ein gerechtes Leben, ein Leben voller Abenteuer mit Zuckerguß und Schokoladenfüllung. Hand in Hand mit denjenigen, deren tiefste Empfindungen wir teilen und deren Abwesenheit der Grund ist für unser tiefes Unglück. Wir bräuchten uns, wir haben den Stoff, der aus den Träumen gesponnen wird, der Stoff, der die Zukunft in greifbare Nähe rücken und sie zum Spielplatz für unsere Kräfte werden läßt.
Ja, wir sind das Zentrum des Universums, wenn es ausnahmsweise davon absähe, sich an uns vorbeizudrehen. Befremdlich, wie sehr wir doch drohen, der Welt fremd zu werden, wo sie es doch ist, die es uns zu verdanken hat, daß sie sich weiterhin dreht und nicht stehengeblieben ist, als sie selbst die Hoffnung aufgab, die uns bleibt.

 

 

 

Dienstbote, nimm deine Gießkanne, ich wünsche mir Blumen.

30.9.07 02:15


 

Eine Lüge schwebt gespenstisch durchs Netz. Erklärt sich freundlicherweise jemand bereit, die Wahrheit aufzudecken?

Tutto è così semplice?

16.9.07 22:20


Sonntag, gefühlte Uhrzeit: 13 Uhr und 27 Minuten

Zigaretten sind sowieso die einzig wirksame Möglichkeit, sich das Knabbern von Kürbiskernen abzugewöhnen.
Zimmerservice, bring mir blinde Hühner, die würden sich freuen über den Fraß. Und einen Bademantel bitte, es ist schließlich Sonntag Nachmittag und fast genauso fühle ich mich auch.

 


Possierliche Tierchen. Aber ach, ein zu weites Feld. Vielleicht mal wieder im Badezimmer spazieren gehen? Oder neben dem Anrufbeantworter stehen und engen Freunden vorgaukeln, man sei nicht da und würde nicht abheben, damit sie Monologe aufs Band sprechen? Ich möchte in einem amerikanischen Film leben.

Wo ich allerdings nicht leben möchte: in einem britischen Roman in der Nähe eines Plattenladens in London. Über Musik schreiben ist wie zu Architektur tanzen. Das gilt eher eingeschränkt für NME-"Journalisten", im Speziellen aber für Nick Hornby, dessen High Fidelity so viel Spaß macht wie das Leben auf einer einsamen Insel mit den Klaxons in der Dauerschleife.
Tanze ich schon?

16.9.07 16:52


Auf eine Zigarette mit ...

... den unerfüllten Vorstellungen in dieser fabelhaften Welt. Voilà:

Ich stehe auf, tapse über den kalten Fußboden, es ist gerade Mittag und daher an der Zeit, das Bett eigentlich längst verlassen zu haben, und betrete meinen imposanten Balkon. Daß er imposant ist, versteht sich eigentlich von selbst, wie die Tatsache, daß mir nun eine Menschenmenge, die dem Balkon in der Frage der Imposanz weit überlegen ist, jubelnd einen guten Morgen wünscht und sich nach meinen Träumen erkundigt und ob ich denn nicht viel zu spät ins Bett gegangen sei. Ich reibe mir den Schlaf aus den Augen und stelle klar, daß ich definitiv zu lange wach war, es gerade wieder viel zu spät und das auch das einzige ist, was diese Situation an Wahrheit zu bieten hat. Einen Balkon habe ich nicht, es ist immer noch spät, die Augen allerdings offener als das aktuell gelebte Leben für Neuerungen/Abwechslung/Abenteuerurlaube in Burkina Faso und nicht einmal mit zartvioletten Ringen untermalt. Ein Fenster hätte ich, aus dem ich schauen kann, bei Bedarf. Ein Volk eher nicht, es ist ja auch nicht Mittag, sondern tiefe Nacht, aber selbst wenn es anders wäre, stünde höchstens eine Katze am anderen Straßenrand. Ich könnte sie freudig begrüßen, aber sie würde nicht zurückwinken. Schön geträumt habe ich bestimmt nicht, wozu also fragen? Der Fußboden ist dennoch kalt. Trinktemperatur. Parkett kann man nicht trinken. Und auf der Liste der 20 unlesenswertesten 20 ersten Seiten rangiert Effi Briest irgendwo auf den mittleren Plätzen. Hätte ich ein Volk vor der Tür wie andere Leute Holz oder, falls sie nicht in Sibirien wohnen, hübsche Autos, es könnte mir die restlichen 300 Seiten vorlesen.
Bediensteter, ich wünsche mir Zeit mit Zimt und Zucker.

16.9.07 03:45





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